Ich las, als wär es Atemholen. Als wär ich sonst erstickt.

(Erich Kästner, Als ich ein kleiner Junge war)
Tuschfederzeichnung, Angelika Waigand

Das Buch als feste Größe und unverzichtbares Herzstück in der Lebenswelt unserer Kinder zu etablieren, ein derart hehres Ziel steht gerade einem Gymnasium sicher gut zu Gesicht. Unsere Wege zur Leseförderung verbindet allesamt eines: Lesebegeisterung zu vermitteln, die eigene Freude am Lesen zu wecken und unseren Schülerinnen und Schülern damit Welten zu erschließen, die ihnen ohne unser ältestes Kulturgut verschlossen blieben. Um uns unserem hochgesteckten Ziel anzunähern, eine inner- und außerschulische Lesekultur zu etablieren, haben wir die unterschiedlichsten Wege beschritten.

Unsere Konzepte zur Leseförderung, die in der Zwischenzeit über die Grenzen unserer Schule hinauswirken und mancherorts Nachahmung gefunden haben, sie sind ebenso bunt und vielfältig wie unser Schulleben. Einige seien hier in der Chronologie ihrer Entstehung exemplarisch genannt:

Unsere Konzepte zur Leseförderung, die in der Zwischenzeit über die Grenzen unserer Schule hinauswirken und mancherorts Nachahmung gefunden haben, sie sind ebenso bunt und vielfältig wie unser Schulleben. Einige seien hier in der Chronologie ihrer Entstehung exemplarisch genannt:

  • Seit dem „Welttag des Buches“ 2006 ziert unsere Aula eine sogenannte „Bücherpyramide“, die als Offene Bibliothek aus gestifteten Lieblingsbüchern der gesamten Schulgemeinschaft gespeist wird und weder Öffnungszeiten noch Ausleihfristen kennt. Die Idee, eine solche Bücherpyramide zu installieren, wurde inzwischen vom Martin-Pollich-Gymnasium Mellrichstadt und vom Matthias-Grünewald-Gymnasium Würzburg ebenfalls erfolgreich aufgegriffen.
  • Seit 2007 können wir unseren Schülerinnen und Schülern eine attraktive Auswahl an aktuellen Büchern, die in schicken Alukoffertrolleys aufbewahrt werden, zum hingebungsvollen Schmökern in Vertretungsstunden bieten. Begonnen hat unser „Bücherkoffer-Projekt“ mit einer Spende von 40 Neuerscheinungen des Kinder- und Jugendbuchmarktes aus dem Hause des Arena-Verlags Würzburg. Nachdem wir Leseförderung als Aufgabe aller Fächer begreifen, dürfen wir uns mittlerweile dank der großzügigen Unterstützung unseres Förderkreises und des Elternbeirats über fachspezifische Bücherkoffer freuen, die es uns erlauben, durch ihren Einsatz möglichen Unterrichtsausfall in den meisten Fächern in sinnvoller Weise aufzufangen.
  • Über ein eigenes Märchenzelt verfügen unsere Lesescouts dank des gemeinsamen Sponsorings der Gemeinde, des Landkreises und des Fördervereins seit Oktober 2010. Es ist inzwischen beliebter Veranstaltungsort für die jedes Jahr im Dezember stattfindende Adventliche Lesung für „unsere Kleinen“ aus den 5. Klassen, die von unseren Lesescouts in Kooperation mit der Schulleitung bestritten wird.
  • Der alljährliche „Welttag des Buches“ am 23. April ist inzwischen integraler Bestandteil unseres Schullebens und wird mit verschiedenen Aktionen „rund ums Buch“ begangen. Im Umfeld dieses Termins ist die sogenannte Aktion „’Nimm und lies!’ – Bücher bauen Brücken“ für die Kinder unserer Netzwerkpartner mittlerweile Tradition. Seit 2011 laden unsere Lesescouts jedes Jahr die von ihnen betreuten Klassen zu einer literarischen Großveranstaltung an unsere Schule ein. Diese themenbezogenen Aktionen wie „Märchen & mehr“, „Im Wilden Westen“ oder „Auf Gespensterjagd“ werden im Vorfeld sorgfältig durch unsere aktiven Lesescouts vorbereitet.
  • Kein Schuljahr endet ohne das Projekt „Lesescouts in action“: Die Lesescouts bitten in den letzten Tagen jedes Schuljahres „ihre“ Kinder aus den Grundschulen der Region zu einem bunten Vormittag mit Buchstabenrallye, Leserätseln, spannenden Geschichten, Spielen und einem großen Buffet an unsere Schule und läuten so die Sommerferien ein.
  • Seit Mai 2014 schätzen wir uns glücklich, unsere langjährigen Beziehungen zum  Arena-Verlag Würzburg durch einen Kooperationsvertrag nach dem Modell SCHULEWirtschaft Bayern auf ‚institutionalisierte’ Füße gestellt zu haben. Resultat ist eine Win-Win-Situation für beide Partner: Berufsorientierung und -vorbereitung durch die Praxisbegegnung in einem Unternehmen auf der einen Seite, Information über das Leistungsspektrum einer Schule auf der anderen.

    Für unsere Lesescouts bedeutet dies, dass ihnen der Verlag einen eigenen Auftritt auf der Verlagshomepage gewährt, wo sie die Gelegenheit erhalten, sich und ihre Tätigkeit zu präsentieren und Rezensionen zu ausgewählten Titeln aus dem Verlagsprogramm zu liefern. Zudem sind sie zu Cover- und Manuskriptgesprächen in den Verlag geladen und können sich an dessen PR-Aktionen zu Spitzentiteln beteiligen. Mit so genannten „Social-Media-Kampagnen“ betreten nicht nur die Lesescouts, sondern auch der Verlag Neuland, was die Verankerung des Projekts im digitalen Zeitalter der virtuellen Medien sichert. (http://www.arena-verlag.de/deine-arena).

Eine Weiterung hat unser Lesescout-Projekt erst jüngst mit Beginn des Schuljahres 2015/16 erfahren: Unsere Lesescouts sind als Akteure der Lesekultur inzwischen auch in der Kinderstation am Universitätsklinikum Würzburg gern gesehene Gäste.

  • Elementare Leseförderung durch unsere Schülerinnen und Schüler des Arbeitskreises „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ findet seit Sommer 2015 in der sogenannten „Willkommensklasse“ der benachbarten Mittelschule Veitshöchheim statt. Unsere Acht- und Neuntklässer haben für die dort beschulten Kinder aus Kriegsgebieten Patenschaften übernommen und sind als Lesecoaches zweimal wöchentlich im Einsatz. Mit diesem Projekt nehmen unsere Schülerinnen und Schüler teil am Pilotprojekt FEEL FR.E.E. der Servicestelle Ehrenamt des Landratsamts Würzburg.
  • Allen Lesescouts, die sich in außerordentlicher Weise für die Leseförderung inner- und außerhalb unserer Schule engagieren, eröffnen wir als einziges Gymnasium in Bayern zusätzlich die Möglichkeit, am Nachweisverfahren für den Erwerb des Zertifikats Kompetenznachweis Kultur (KnK) Es handelt sich dabei um einen bundesweit anerkannten Bildungspass der Bundesvereinigung für kulturelle Kinder- und Jugendbildung, der mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung entwickelt wurde. Das Zertifikat sichert seinen Trägern einen Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt, wo die von jedem Lesescout verlangten Selbst-, Sozial- und Methodenkompetenzen jenseits der Ziffernoten besonders nachgefragt werden.

Literatur mit allen Sinnen er-leben – dies ist außerdem mit den Autoren und Schauspielern garantiert, die wir uns im Laufe eines Schuljahres ins Haus holen. Darüber hinaus erfährt unser literarisches Leben dank der viel beachteten Theater-Projekte engagierter Lehrkräfte und Schüler/innen eine außergewöhnliche Bereicherung.

Jutta Merwald