Besuch von NS-Gedenkstätten

„Unsere Verantwortung ist es, […] nie mehr zuzulassen, dass Menschsein abhängig gemacht wird von Rasse oder Herkunft, von Überzeugung oder Glauben, von Gesundheit oder Leistungsfähigkeit. Nie mehr zuzulassen, dass unterschieden wird zwischen lebenswertem und nicht lebenswertem Leben. […] Also müssen wir wachsam bleiben. Dazu müssen wir uns erinnern. Nur wer sich erinnert, kann Gefahren für die Zukunft bannen.“

Bundespräsident Roman Herzog, Rede am 27. April 1995 in Bergen-Belsen

Die Erinnerung an den nationalsozialistischen Terror wird heute an zahlreichen Orten in Deutschland und ganz Europa wachgehalten. Gedenkstätten, Mahnmale und Gedenktafeln leisten in der Erinnerungskultur einen wichtigen Beitrag gegen das Vergessen. Sie dokumentieren das Unrecht, gedenken der Opfer und rufen auf zur Wachsamkeit.

Der Besuch einer Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus gehört seit den Anfängen unserer Schule zum festen Fahrtenprogramm. In den letzten Jahren besuchten unsere Schülerinnen und Schüler in der neunten oder zehnten Jahrgangsstufe eine der nächstgelegenen Gedenkstätten: Flossenbürg, Dachau oder Buchenwald.

Den nachfolgenden Bericht verfasste ein teilnehmende Schülerin nach dem Besuch der KZ-Gedenkstätte Dachau:

Besuch der neunten Klassen in der KZ-Gedenkstätte in Dachau am 10. Juli 2012

Die meisten Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen konnten sich bis zum 10. Juli 2012 nur vage vorstellen, wie es im Dritten Reich den Häftlingen eines Konzentrationslagers erging und unter welchen Umständen sie lebten.

Doch im Rahmen des Geschichtsunterrichts der Lehrkräfte Frau Krauß, Frau Rollmann und Herr Bach wurde eine Besichtigung der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers in Dachau organisiert. Je näher wir allerdings dem Tag der Exkursion kamen, desto mulmiger wurde es uns auch. Wir hatten zwar durch Filme, Fotos und Aufzeichnungen Einblicke in verschiedene Lager bekommen, doch wirkte dies dennoch alles fern auf uns. Schnell kamen Fragen bezüglich unseres eigenen Verhaltens auf, niemand wollte unpassend gekleidet sein oder durch unangemessenes Auftreten auffallen. Da dieser für fast alle von uns der erste Besuch in einer Gedenkstätte war, wurde lieber doppelt nachgehakt, als dass man letztendlich etwas falsch gemacht hätte.

Am Anfang der Besichtigung noch recht schüchtern, verschwand die Aufregung rasch, als wir unsere sehr nette und lockere Begleiterin in Dachau vorgestellt bekamen. Sie selbst kommt aus Israel und hat, auch bedingt durch den jüdischen Glauben, starkes Interesse am Naziregime und konnte uns sehr viele Dinge und Geschichten über Israel, ihre Vorfahren und natürlich über die Gedenkstätte erzählen.

Als wir mit ihr auf dem ehemaligen Appellplatz standen und die Ausmaße des riesigen Geländes sahen, konnten wir uns kaum vorstellen, wie es dort noch vor 75 Jahren aussah. Die Stille des Areals verbunden mit der Vorstellung, dort zu stehen, wo massenhaft Menschen starben, war bedrückend.

Für mich persönlich der schlimmste Platz kam aber erst kurz danach: das große Krematorium – die Baracke X. Wir sind dieselben Räume durchlaufen wie unzählige Besucher vor uns und ich glaube, dass wir wohl alle ein ähnlich mulmiges, ungläubiges, aber vielleicht auch wütendes Gefühl dabei hatten.

Nach den beiden Krematorien sahen wir die russisch-orthodoxe, katholische, jüdische und die evangelische Kapelle und abschließend die Baracken der Häftlinge. Diese wurden zum Teil anhand von Erinnerungen und Aufzeichnungen einiger Zeitzeugen wiederaufgebaut. Dadurch ist es Besuchern gut möglich, sich ein genaues Bild von den Lebensumständen der Inhaftierten zu machen. Auf engstem Raum mussten diese in dreistöckigen, viel zu kleinen Betten schlafen, in denen man sich manchmal kaum drehen konnte, ohne die anderen danach zu fragen, da sie aufgrund von Überfüllung Rücken an Rücken zusammengepfercht wurden.

Ich kann, so denke ich, im Namen der kompletten Stufe sprechen, wenn ich sage, dass wir alle dankbar sind, die Möglichkeit bekommen zu haben, die KZ-Gedenkstätte Dachau zu besichtigen und dabei viel mitgenommen haben. Ich bin der Meinung, und diese hat sich durch den Besuch nur verfestigt, dass es in der Verantwortung jedes Einzelnen von uns ist, die Menschenrechte zu schützen und alles daran zu setzen, einer Ideologie, die sich gegen diese Rechte stellt, keine Möglichkeit zur Verbreitung zu geben. Deshalb finde ich es wichtig, dass frühzeitig über die Verbrechen des Nationalsozialismus aufgeklärt wird und man sich dabei auch in einer Gedenkstätte ein eigenes Bild machen kann.

(von einer Schülerin für den Jahresbericht 2012/2013 verfasst)